Gesundheit - Vitalität - langes Leben


„Tao Yoga der Unsterblichkeit“


Der chinesische Sammelbegriff für alle taoistischen Übungen zur Förderung der Gesundheit, zur Verlängerung des Lebens und zur Erlangung der Unsterblichkeit heißt übersetzt „sein Leben nähren“. Es umfasst alle Praktiken, die 1. den Körper nähren (Yang Sheng) und 2. den Geist nähren (Yang Shen). Im Westen werden diese Methoden heute „Tao Yoga“ genannt.

So lange wir leben, werden wir von Energie durchflossen, das so genannte Qi (auch Chi). Der Atem ist ein Beispiel dafür. Wenn der Energiefluss zum Stillstand kommt, sterben wir. Die Traditionelle Chinesische Medizin beschäftigt sich seit Jahrtausenden mit dem Energiefluss im Menschen, um die Gesundheit zu fördern und Krankheiten zu heilen.

Die Energie erscheint auf zweierlei Weise: als Yin („weiblich“) und Yang („männlich“) (Atem: einatmen, ausatmen). Diese beiden Erscheinungsformen und ihr Spiel oder Kampf um Ausgeglichenheit macht die Vielfalt des Lebens im Universum aus.

Die Energie fließt nicht gleichmäßig und homogen (Atem: entsprechend den körperlichen und psychischen Gegebenheiten). Sie fließt in bestimmten Mustern und Rhythmen. Im Körper gibt es Bereiche, an denen sie besonders auftritt: Kanäle („gewöhnliche Meridiane“), Gefäße („außergewöhnliche Meridiane“), Punkte („Akupunkturpunkte“) und Zentren („Dantien“ auch „Tan Tien“).

Die Energie fließt durch Bahnen, die so genannten gewöhnlichen Meridiane (12 auf jeder Körperseite, 6 Yin und 6 Yang), die die inneren Organe, nach denen sie benannt sind (z.B. Herzmeridian), mit den Extremitäten verbinden (Finger oder Zehen). Über sie wird der ganze Körper mit Energie versorgt.

Auf diesen Bahnen liegen Energiepunkte (Akupunkturpunkte), an denen der Energiefluss durch Nadelung beeinflusst werden kann (Akupunktur, die Königsdisziplin der Traditionellen Chinesischen Medizin).

Außerdem gibt es 8 „außergewöhnliche“ oder „psychische“ Meridiane, so genannte Gefäße, die dafür sorgen, dass in den gewöhnlichen Meridianen die Energien ausgeglichen werden. Zwei der wichtigsten außergewöhnlichen Meridiane sind der „Du Mai“ (Lenkergefäß, Yang) und der „Ren Mai“ (Konzeptionsgefäß, Yin).

Im Körper liegen drei große Energiezentren, die so genannten Dantien (auch Tan Tien). Der untere Dantien liegt im Zentrum des Unterbauchs etwas tiefer als der Nabel. Der mittlere Dantien liegt im Brustkorb in Herznähe und der obere Dantien liegt im Zentrum des Gehirns.

Der untere Dantien ist der Hauptspeicherort für Energie. Daher wird dem Bauch eine so große Bedeutung im Tao Yoga beigemessen. In ihm soll immer ausreichend Energie gespeichert sein. Ist das nicht der Fall, fühlen wir uns leer und erschöpft.

Im Bereich des mittleren und unteren Dantiens befinden sich die fünf Hauptorgane (Herz, Milz, Lungen, Nieren, Leber). Sie gelten als Sitz der Gefühle und Emotionen (z.B. Herz: Liebe, Freude aber auch Hass und Gewalttätigkeit). Der obere Dantien ist das Zentrum für geistige und spirituelle Energien.

Auf dem Weg vom unteren über den mittleren zum oberen Dantien werden Energien in psychische und geistige Energien umgewandelt. Man spricht von „Verfeinerung“ der Energien. Auf diesem Weg stellen wir die Verbindung zum Tao, dem Ursprung, her, im Leben wie im Tod.

Das Qi, das wir mit dem Atem und der Nahrung aufnehmen, wird im unteren Dantien, im so genannten Qi Hai (= Meer des Qi) auf der Körpervorderseite unterhalb des Nabels gespeichert. Auf der Rückseite, in den Nieren, wird das „Jing Qi“, kurz Jing genannt, gespeichert. Jing ist unsere Essenz, Ur-Vitalität, Konstitution, sexuelle Energie, unser Ererbtes (DNS). Der zugehörige Energiepunkt heißt „Ming Men“ (Tor des Lebens), der sich gegenüber dem Nabel auf der Lendenwirbelsäule befindet und im Tao Yoga einer der wichtigsten Punkte ist.

Die Gefäße Du Mai (Lenkergefäß, Yang) und Ren Mai (Konzeptionsgefäß, Yin), zwei der acht außergewöhnlichen Meridiane, haben besondere Bedeutung im Tao Yoga. Der Ren Mai (Yin) verläuft vom Damm (Perinäum) auf der Mittellinie der Vorderseite über Bauch und Brust zum Unterkiefer,der Du Mai (Yang) über After, Wirbelsäule und Scheitelpunkt zum Oberkiefer. Die Zunge schließt beide zusammen. Sie sind mit allen gewöhnlichen Meridianen verbunden und sorgen in ihnen für energetische Ausgeglichenheit.

Die herausgehobene Rolle, die das Lenker- und das Konzeptionsgefäß im Tao Yoga spielen, liegt darin, dass in ihnen meditativ und mit Hilfe bestimmter Atemtechniken Energie in einen Kreislauf gebracht wird, den so genannten „Kleinen Energiekreislauf“ oder „Himmlischen Kreislauf“. Auf diesem Weg kann die Energie von Essenz (Jing) zu Qi und von Qi zu geistiger Energie und diese in den Zustand der Leere transformiert werden.

Energie kann blockiert sein, das heißt, dass es zu einem Stau im Energiefluss kommt, der zu Beschwerden und schließlich zur Krankheit führen kann. Es kann Energiefülle und Energiemangel geben, wobei Energiefülle ebenso nachteilig für den Organismus ist wie Energiemangel. Im Idealfall (gesundes Baby) reguliert sich das System von selbst. Mit zunehmendem Alter und damit einher gehendem körperlichem, seelischem und geistigem Stress und Verfall wird der Energiefluss gestört. Dies gilt auch bei falscher Atmung und Ernährung, ungesunder Lebensweise und falschem Sex. Wir verlieren Energie, unsere Vitalität lässt nach, die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt zu, wir altern früher und sterben vor der Zeit.

Diesen Prozess aufzuhalten und umzukehren, war das Ziel der altchinesischen Methoden, die „sein Leben nähren“ genannt werden, und die die Tao-Meister über mehr als 2000 Jahre hinweg entwickelt und uns überliefert haben. Dies ist auch das Ziel des heutigen Tao Yoga, das in der Tradition der altchinesischen Meister steht.

Zum Tao Yoga zählen das weite Feld der Inneren Alchemie (Inneres Lächeln, Kleiner Energiekreislauf, Fusion, Kan und Li usw.), Qi Gong, Taiji und andere Kampfkünste, Dao Yin (Heilgymnastik), Massagen, 5-Elemente-Ernährung, sexuelle Praktiken („Heilende Liebe“) und vieles andere mehr.

Im Gegensatz zum philosophischen Taoismus, der sich mit den Werken von Laotse, Zhuangzi und anderen taoistischen Weisen literarisch-philosophisch oder akademisch auseinandersetzt, ist das Tao Yoga eine Lebenspraxis. Die gewonnenen Erkenntnisse von Jahrtausenden haben zu Methoden und Übungen für eine gute Lebensführung und Lebenskunst geführt, die der Einzelne auf seinem Weg nutzt, um ganz konkret und praktisch die eigene Gesundheit, Jugendlichkeit und geistige Entfaltung zu fördern.

Regelmäßige Tao-Yoga-Praxis erhält die Jugendlichkeit, Vitalität und Lebendigkeit. Sie dient ganz allgemein der Vorbeugung gegen körperliche und geistige Erschöpfung, seelischen Stress und Krankheiten, sie ist eine unspezifische, umfassende Selbstheilungsmethode, die Behandlungen durch Spezialisten ausgleichend ergänzt und oft auch ersetzen kann. Das oberste Ziel ist, gar nicht erst krank zu werden – so weit das irgend möglich ist.

In diesem Sinne bedeutet „Unsterblichkeit“ ganz konkret:
  • anhaltend gute Gesundheit
  • außergewöhnlich langes Leben (100+)
  • bewusster Tod.

Der letzte Punkt gewinnt immer mehr an Bedeutung, wenn man sieht wie viele alte Menschen in ihren letzten Jahre in Siechtum, Umnachtung oder völliger Hilflosigkeit versinken (dem „Tod vor dem Tod“). Dass sie sich oft wünschen zu sterben, es aber nicht können. Ziel daoistischer Unsterblichkeitspraktiken ist es auch, einen Zustand zu erreichen, in dem es möglich ist, ohne Siechtum von einem Tag auf den anderen möglichst selbstbestimmt dieses Leben zu verlassen. Welch schönes Ziel.

Die grundlegenden Ziele des Tao Yoga sind (nach Mantak Chia):
  • zu lernen sich selbst zu heilen und mit sich und seiner Umwelt in Harmonie zu leben
  • anderen zu helfen sich zu heilen und zu innerer und äußerer Harmonie zu finden
  • sich auf den Weg zum Ursprung zu machen.